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Kostümzwang

What does the foy say? Zumindest bei uns, dass Kostüme bequem und kuschlig sein müssen - weshalb das kleine Kind auch dieses Jahr wieder als Fuchs geht. Foto: Sandra Cantzler

Fasching war für mich als Kind immer einer der Höhepunkte des Jahres. Ich habe mich ausgesprochen gerne verkleidet und bin noch als Teenie gerne auf Faschingsfeste gegangen. Zu meinem großen Bedauern verweigerte mir meine Mutter kategorisch Glitzer-Prinzessinnen-Kleider und andere Kauf-Kostüme. Nicht aus ideologischen Gründen, sondern einfach, weil wir sie uns damals nicht leisten konnten. Stattdessen gab es Selbstgenähtes oder Zweckentfremdetes. Erst von Mama, später von mir selbst zusammengefrickelt.

Zurückgebelieben ist ein ganz kleines Trauma und der Vorsatz, dass meine Kinder später im Fasching immer ganz tolle Kostüme bekommen, egal ob sie als Fee, Astronaut oder Cowboy gehen wollen. Als es viele Jahre später soweit war, meldete das große Kind “Frosch” als Verkleidungswunsch an. Er wollte dafür das wirklich tolle Kostüm aus der Kinderboutique drei Häuser weiter haben. Das Froschkostüm für Dreijährige kostete knappe 50 Euro. Ich schluckte. Ich überlegte. Besprach mich mit dem Mann. Dann ging ich in die Stoffabteilung eines großen Kaufhauses, besorgte knallgrünen Stoff und legte selber los. Mit Schere, Nadel, Faden und jeder Menge Textilkleber. Auf den letzten Nähten bekam ich dann noch von meiner Mutter eine Nähmaschine geliehen – das beschleunigte die Sache erheblich. Ergebnis: Ein absolut diletantisch zusammengeschustertes Kostüm, ein glückliches großes Kind und für mich der Anfang meiner Nähleidenschaft.

Seitdem habe ich etliche Kostüme genäht, vom Agenten-Outfit über Feen-Röcke bis hin zu Füchsen. Das Kostümenähen macht Spaß und spart viel Geld, es hat nur einen Haken: Zumindest meine Kinder tendieren dazu, sich erst sehr spät zu entscheiden, als was sie sich verkleiden wollen. Weshalb die Kostümnummer alle Jahre wieder am Ende stressig wird. Doch wie in fast allen Lebenslagen weiß auch hier das Internet guten Rat und versorgt die Selbernäherinnen unter uns mit wunderbaren Last-Minute-Ideen für Fasching beziehungsweise Karneval.

Schnelle Kostüme für Mädchen und Jungs

Last-Minute-Kostüm Indianer

Passt für Yakari genauso gut wie für Regenbogen: das Last-Minute-Indianer-Kostüm von Liebste Schwester. Foto: Liebste Schwester/handmade kultur

Sollten Eure Kinder ebenfalls zu den Yakari-Fans gehören, ist das Wowowow-Kostüm von Liebste Schwester der ultimative Tipp für Euch. Was Ihr dafür braucht? Aussortierte Anziehsachen in Brauntönen, jede Menge Ketten, Bänder, sonstiges Klimbim und zwei Stunden Zeit. Ach ja, und die Anleitung natürlich noch – die findet Ihr kostenlos auf der Webseite der handmadekultur.

Ebenfalls auf der handmadekultur gefunden: Eine Anleitung für eine Pandamaske à la Cro von Kebo. Aus Pappmaché, Seidenpapier und als Ohrpuschel einen mit Edding eingefärbten Webpelz-Rest (was beweist: Zeitdruck macht kreativ).

Für kleine Feen, Prinzessinnen und Ballerinas

Mit Krönchen, Krawatte und Pistole: Mit etwas Glück reicht für das Faschingskostüm auch ein Blick in den Kleiderschrank oder in die Verkleidungskiste. Foto: Sandra Cantzler

Mit Krönchen, Krawatte und Pistole: Mit etwas Glück reicht für das Faschingskostüm auch ein Blick in den Kleiderschrank oder in die Verkleidungskiste. Foto: Sandra Cantzler

Das kleine Kind wäre bei uns theoretisch die Kandidatin für Glitzer und Pink und Tüll. Leider macht sie mir da konsequent einen Strich durch die Kitschrechnung und geht stattdessen lieber als “Bob Baumeister” oder als Feuerwehrfrau. Solltet Ihr verkleidungstechnisch mehr Glück haben: Auf dem Blog lillesol und pelle findet Ihr eine Easy-Peasy-Anleitung für einen entzückenden Tüllrock für ganz kleine Mädchen. Das tuffige Teilchen ist schnell fertig, kommt ohne Nähen aus, wächst bei Bedarf mit und passt zu den unterschiedlichsten Kostümideen. Yay!

Kostümideen für Fortgeschrittene

Sehr süß, aber eher nicht absolut Last-Minute: Die Kostümideen von Stoff und Stil. Screenshot: Stoff und Stil

Sehr süß, aber eher nicht absolut Last-Minute: Die Kostümideen von Stoff und Stil. Screenshot: Stoff und Stil

Wer schnell nähen kann beziehungsweise sich schon jetzt für 2016 (oder auch für Halloween) vorbereiten möchte: Auf der Webseite von Stoff und Stil gibt es Gratis-Anleitungen für Eisköniginnen, Löwen und Katzen.

Das ich gerade tiefenentspannt über Faschingskostüme schreiben kann, statt selber an der Nähmaschine zu sitzen, liegt übrigens daran, dass meine Kinder dieses Jahr auf Minimallösungen setzen. Das kleine Kind findet Verkleiden nicht wirklich toll und braucht es immer bequem und kuschelig. Deshalb geht es wie schon im Vorjahr wieder als Fuchs (siehe oben). Das große Kind findet sich mit seinen neun Jahren eigentlich schon zu groß für so alberne Angelegenheiten wie Fasching, beugt sich aber seufzend und leidend dem Druck der Masse und wird am Freitag als Agent in der Schule auflaufen. Mit schwarzem Pulli, Pistole, FBI-Ausweis, Sonnenbrille und – ähem – Jogginghose. Was die mit einem Agenten zu tun hat? Kann ich Euch leider auch nicht sagen – Jungs in dem Alter sind manchmal ein Rätsel. Und Muffins oder Kuchen fürs Faschingsbuffett sind natürlich auch sowas von daneben: “Ich bring ne Tüte Chips mit, Mama – alles andere isst sowieso keiner”. Na dann: Helau, Alaaf und einen fröhlichen Fasching Euch allen!

 

 

Veröffentlicht von

Sandra, Texterin und Mutter, lebt mit Ellie, Mo und Christoph in Hamburg

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