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Von Astronauten, Neid, dem Mond und einem dringenden Bedürfnis

Buzz ist sauer, weil er nicht als erster auf den Mond darf  - doch Wut bringt einen nicht weiter, erkennt Buzz noch rechtzeitig vor der Landung. Cover: Sauerländer Verlag

Egal was man macht: Es gibt so gut wie immer jemanden, der es besser kann. Der schneller läuft, perfekter seinen Job erledigt, beliebter ist. Das ist bei Erwachsenen nicht anders als bei Kindern. Manchmal wird man deshalb auch als Erwachsener ganz schön neidisch – und sauer und vielleicht kindisch. Dann möchte man dem anderen gerne einen beipulen und den Erfolg vermiesen. Genauso geht es Buzz, der mit seinem Astronautenkollegen Neil in der “Apollo 11″ sitzt und Richtung Mond rast. Buzz soll als erster Mensch den Mond betreten. Doch dann kommt alles anders, sowohl im wahren Leben wie im Buch “Vom ersten Mann, der auf den Mond pinkelte”.

Das Buch hat das große Kind vor kurzem aus der Schulbücherei mitgebracht. Eigentlich ist er über das Bilderbuchalter längst hinaus, doch in diesem Fall passten das Thema, die comic-artigen Illustrationen und witzig erzählte Geschichte dann doch noch. Der Norweger Endre Lund Eriksen zeigt die Besatzung der Apollo 11 nicht als coole Helden, sondern alsganz normale Menschen, die zwar die Technik beherrschen, sich aber angesichts von Konkurrenzkampf und Angst vor dem Unbekannten gleichzeitig benehmen wie Kindergartenkinder. Die sich in ihrer Wut verrennen, bis sie erkennen: Damit kommen wir nicht weiter.

Genauer gesagt: Buzz merkt, dass Wut nicht viel bringt – und dass es manchmal durchaus Vorteile haben kann, nicht der erste zu sein. Dass jede Nummer eins auch eine Nummer zwei braucht. Bis zu dieser Erkenntnis dauert es aber erstmal. In dieser Zeit wütet Buzz in der Schwerelosigkeit vor sich hin, weil das Kontrollzentrum in Houston während des Fluges entschieden hat, dass doch Neil als erster den Mond betreten soll. Buzz ist plötzlich nur noch die Nummer zwei hinter Neil, dem Kommandanten, dem Streber, dem Typen, den sowieso alle immer lieber mögen. Buzz wünscht Neil alles mögliche Schlechte an den Hals und bockt wie ein kleines Kind. Doch je näher die Mondlandung rückt, desto erleichterter ist Buzz, dass Neil als erstes raus muss. Weil: Es weiß ja niemand, was sie auf dem Mond an Gefahren erwartet.

Erkenntnisgewinn: Für Kinder ist die Geschichte des wütenden Astronauten in erster Linie ein großer Spaß. Als erwachsener Vorleser habe ich mich in Buzz ganz gut wiedererkannt. Ich kann mich an etliche Situationen erinnern, in denen ich Chefs oder doofen Kollegen gerne die Zunge rausgestreckt hätte. Umgekehrt gab es auch immer wieder Menschen, die wie Buzz an meinem Stuhl gesägt haben. Ein Büro ist zwar kein Raumschiff, aber manchmal schlimmer als ein Kindergarten… Und: Wie im All klappt es auch im Beruf besser, wenn alle konstruktiv zusammenarbeiten, statt sich gegenseitig Steine in den Weg zu legen. Wobei es manchmal einfach gut tut, nur für ein paar Minuten Buzz zu sein und seine Wut rauszulassen. Oder auf den Mond zu pinkeln und damit doch noch zu seiner großen Nummer zu kommen…

 

 

Veröffentlicht von

Sandra, Texterin und Mutter, lebt mit Ellie, Mo und Christoph in Hamburg

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