Artikel
0 Kommentare

Mach mehr selbst. Und lass es manchmal einfach sein.

Es muss nicht immer die Regenbogen-Glitzertorte sein: Manchmal tut es auch die Packung Chips - auch wenn das Eltern-Ego leidet. Foto: Death to the stockphoto.com
Gesehen auf Facebook. Nichts weiter hinzuzufügen.

Gesehen auf Facebook. Nichts weiter hinzuzufügen.

Kenn ich. Kinder sind ein undankbares Pack. Da näht/strickt/bastelt/backt/malt Mutti nächtelang vor sich hin und dann kommt: Nichts. Oder eben der Ninja statt dem Fuchs (wahlweise auch Fuchs statt Fee). Auch Erwachsene sind nicht durchgehend von Selbstgemachtem begeistert, zumindest sind die meisten aber so gut erzogen, dass sie die Mühen würdigen – mal abgesehen von meiner Mutter (die verklappt fast alles umgehend in einer großen Schublade). Bei Kindern darf man auf diese Gnade nicht hoffen. Es ist ihnen schlicht und einfach wurst, ob Mama traurig ist, wenn das tolle Kostüm oder die süße Mütze nicht getragen werden.

Da kann man sich als Eltern drüber ärgern. Man kann es auch lassen. Leider funktioniert das an nicht so guten Tagen einfach nicht so gut. Das demonstrative Nicht-Würdigen meiner Selbermach-Anstrengungen treibt mich dann in mittelgroße bis ausgeprägte Wutanfälle. Der Tornado fräst eine tiefe Schneise der Frustration durch die Wohnung und befördert gelegentlich die Auslöser des Sturms in den Müll. Manchmal holt das derart emotional erpresste Kind das Objekt wieder aus dem Eimer. Manchmal ich selbst.

Fühle ich mich danach besser? Nein. Im Gegenteil. Ich fühle mich als Versager, weil mich eine Kleinigkeit die Fassung verlieren lässt und weil ich in diesem Moment nicht über meinen Ego-Schatten springen konnte.

Denn letztendlich geht es ja bei dem ganzen Gebastel, Gebacke und Genähe genau darum: Das Eltern-Ego. Glitzer-Regenbogentorten und liebevollst verzierte Muffins begeistern meistens vor allem die anderen Mütter und Väter (und die Instagram-Follower). Mit selbstgenähten Faschingskostümen liegt man im Gute-Eltern-Contest ganz weit vorne.

Und die Kinder? Finden vor allem wichtig, dass etwas nach ihren Vorstellungen cool ist. Gut schmeckt. Von den anderen Kindern gut gefunden wird. Das kann die selbstgekochte Marmelade, die Brezel aus Eigenproduktion oder das selbstgenähte T-Shirt sein. Aber oft ist es auch Nutella, Toast aus der Plastikpackung und das Ninja-Kostüm vom Discounter. Oder in unserem Fall dieses Jahr zum Fasching: Zwei Tüten Chips (das große Kind) und zwei Packungen Schokokekse (das kleine Kind).

Mein Eltern-Ego hat gelitten. Ich habe stündlich mit Anrufen der Schulleitung gerechnet, dass Chips ja nun gar nicht gehen würden. Kam aber kein Anruf. Auch nicht aus der Kita. Alles gut. Plus ein entspanntes Wochenende gehabt, statt noch am Sonntagabend kurz vor Mitternacht Kekse zu backen.

Fazit: Selbermachen ist toll. Aber manchmal ist es auch toll, es zu lassen und die Kratzer am Eltern-Ego zu akzeptieren. Zur Not kann man es ja auch wie meine Freundin M. machen, die vom ersten Kita-Tag an konsequent die “einen möglichst selbstgebackenen Kuchen”-Aufforderungen  ignoriert hat. Stattdessen kauft sie Fertig-Muffins und klebt zur Tarnung noch ein paar Smarties schief drauf. Ihr Sohn hat meines Wissens nach dadurch keine Traumata davongetragen – und M. musste bislang auch nie allein auf der Spielplatz-Strafbank sitzen.

Titelbild: deathtothestockphoto.com

 

 

Veröffentlicht von

Sandra, Texterin und Mutter, lebt mit Ellie, Mo und Christoph in Hamburg

Hinterlasse eine Antwort

Pflichtfelder sind mit * markiert.